Hirrlinger Lichtstuben

In der Rottenburger Post war anfangs der Fasnet 1950 ein Bericht vom damaligen Berichterstatter der Rottenburger Post, Rudolf Stürner, zu lesen:

Zur Fastnachtzeit, von Lichtmeß bis Aschermittwoch, aber nur am Montag, Dienstag und Donnerstag, ist in Hirrlingen seit Jahrhunderten ein besonderer Brauch üblich: die Lichtstuben.

Nach getaner Arbeit finden sich Männer und Frauen, Burschen und Mädchen, in den Bauernhäusern zur Feierabendzeit ein. Die Frauen und Mädchen bringen ihren Strickstrumpf mit. Früher drehten sie wohl emsig das Spinnrädchen. Die Männer und Burschen rauchten, tuns sich gemütlich bei einem Schoppen Bier oder Most, oder spielten Karten. In froher Unterhaltung erwarteten die Hirrlinger die "Fasnetbutzen", die von Lichtstuben zu Lichtstuben wanderten und viel Abwechslung und Heiterkeit in die gemütlichen Lichtstuben brachten.

Die bunten und vielgestalteten "Butzen" erschienen meist in größeren und kleineren Gruppen mit lautem Gepolter und weithin tönenden "Juhu-Rufen". Mit hellklingenden, unter den Holzmasken schwer erkennbaren Stimmen, unterhielten sie sich mit den Lichtstubengängern, sagten ihnen allerlei Streiche auf und machten Possen. Manche schwiegen auch und machten nur Bücklinge und Faxen, um ja nicht erkannt zu werden. Alle Male hob dann unter den Gästen ein Rätselraten an, was für einer sich unter dem "Holzgsichtle" verborgen halte. Die meisten Narren blieben unerkannt und freuten sich darüber.

Rückte der Zeiger auf elf, verzogen sich Narren und Lichtstubengänger. Stiller Friede lag wieder über dem närrischen Dorf.